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Abenteuer der Vernunft

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Johann Wolfgang von Goethe war nicht nur der Literatur und den bildenden Künsten zugetan. Er widmete sich auch intensiv den Naturwissenschaften, die zwischen 1750 und 1830 ihre Frühe Moderne erlebten, d.h. in eine Phase der Neuorientierung und Neubildung eintraten.

Aufenthalte in Italien prägten sein naturwissenschaftliches Arbeiten und Denken nachhaltig. Das Land bot ihm die Möglichkeit, ihm unbekannte Naturphänomene zu studieren und neue Ideen zu entwickeln.
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So untersuchte er während seines ersten Aufenthalts von 1786 bis 1788 vulkanische Phänomene und konnte den aktiven Vesuv beobachten.

Durch die Beschäftigung mit der Mittelmeer-Vegetation erweiterte er sein von Carl von Linné bestimmtes botanisches Wissen.
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In über 50 Jahren sammelte Goethe Gesteine, Mineralien und Fossilien, Pflanzen- und Tierpräparate sowie physikalische und chemische Experimentiervorrichtungen.
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Mehr als 23.000 Objekte umfasst die von Goethe hinterlassene naturwissenschaftliche Sammlung. Sie befindet sich noch heute in seinem Weimarer Wohnhaus.

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Den größten Teil macht die geowissenschaftliche Sammlung aus, die sich noch heute im Steinpavillon und im Arbeitsvorzimmer befindet. Seit 1808 nutzte Goethe das barocke Gebäude im Garten seines Hauses am Frauenplan.

Goethes geowissenschaftliche Sammlung ist eine der wenigen Privatsammlungen um 1800, die in der originalen Ordnung im Sammlungsmobiliar erhalten geblieben ist.
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Regionale Kollektionen (Suiten) lagern im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss. Die systematischen Mineralien- sowie Gesteinssammlungen finden sich in der ersten Etage, die paläontologische Sammlung ist im Dachgeschoss untergebracht.

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Die geowissenschaftliche Sammlung lagert in 18 originalen Sammlungsschränken mit rund 450 Schubfächern. Große Stücke sind in gläsernen Aufsätzen untergebracht. Die Sammlungsschränke wurden zu Goethes Lebzeiten und später unter musealer Obhut mehrfach umgestellt und restauriert.  

Die Sammlung wurde zu Goethes Lebzeiten nur zum Teil inventarisiert. Davon zeugen Einzelverzeichnisse von 1783, 1785 und 1813. Den frühesten Katalog verfasste Goethe teilweise selbst.
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Goethe nutze seine weit verzweigten Beziehungen, um seine Sammlung zu vervollständigen.

Wilhelm von Humboldt, Frédéric Soret oder auch Johann Wolfgang Döbereiner sandten Goethe Mineralien- und Gesteinsstufen zu.
Diesen Sandstein erhielt Goethe von Humboldt. Am 15. 05.1798 meldete er seinen Freund Knebel: "... Der sogenannte kristallisierte Sandstein von Fontainebleau. Ich habe von Humboldt einige Stücke dieser Art erhalten, [...]."

Oft wurden Mineralien auch unaufgefordert an Goethe geschickt. Man suchte dabei den Kontakt mit dem berühmten Dichter.

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Die Struktur einer Sammlung sagt viel über den Sammler aus, über Absichten, Erkenntnisziele oder Sammelgewohnheiten. Goethe legte drei systematische Teilsammlungen an, je eine zu Mineralien, Gesteinen und Fossilien.
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Eine Sammlung geschliffener „Marmortäfelchen“ aus Italien. Goethe interessierte sich sowohl für ästhetische, etwa architektonische, als auch für geologische Aspekte, so für die Frage ihrer Entstehung.

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1787 war Goethe Augenzeuge spektakulärer Vulkanausbrüchen in Italien. Er beschrieb seine Eindrücke im Reisetagebuch und in der 1814 veröffentlichten „Italienischen Reise“.

Trotz des beeindruckenden Schauspiels blieb er überzeugt davon, dass vulkanische Vorgänge keine große Rolle in der Erdgeschichte spielten.
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Neapel, Dienstag, den 20. März 1787.  

„Die Kunde einer soeben ausbrechenden Lava, die, für Neapel unsichtbar, nach Ottajano hinunterfließt, reizte mich, zum dritten Male den Vesuv zu besuchen. […]

Ich hatte Verlangen, mich dem Punkte zu nähern, wo sie aus dem Berge bricht; dort sollte sie, wie mein Führer versicherte, sogleich Gewölb und Dach über sich her bilden, auf welchem er öfters gestanden habe. Auch dieses zu sehen und zu erfahren, stiegen wir den Berg wieder hinauf, um jenem Punkte von hintenher beizukommen. Glücklicherweise fanden wir die Stelle durch einen lebhaften Windzug entblößt, freilich nicht ganz, denn ringsum qualmte der Dampf aus tausend Ritzen, und nun standen wir wirklich auf der breiartig gewundenen, erstarrten Decke, die sich aber so weit vorwärts erstreckte, daß wir die Lava nicht konnten herausquellen sehen.

Wir versuchten noch ein paar Dutzend Schritte, aber der Boden ward immer glühender; sonneverfinsternd und erstickend wirbelte ein unüberwindlicher Qualm. Der vorausgegangene Führer kehrte bald um, ergriff mich, und wir entwanden uns diesem Höllenbrudel.“
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Auf seiner ersten Italienreise bestieg Goethe den aktiven Vesuv dreimal. Bei der zweiten Besteigung begleitete ihn der Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein.  

Diese Zeichnung Tischbeins entstand anlässlich der gemeinsamen Vesuv-Besteigung.
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Neapel, den 6. März 1787.

„Obgleich ungern, doch aus treuer Geselligkeit, begleitete Tischbein mich heute auf den Vesuv. Ihm, dem bildenden Künstler, der sich nur immer mit den schönsten Menschen- und Tierformen beschäftigt, ja das Ungeformte selbst, Felsen und Landschaften, durch Sinn und Geschmack vermenschlicht, ihm wird eine solche furchtbare, ungestalte Aufhäufung, die sich immer wieder selbst verzehrt und allem Schönheitsgefühl den Krieg ankündigt, ganz abscheulich vorkommen.“
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Weitere Vulkangesteine sammelte Goethe am Wolfsberg und am Kammerbühl in Böhmen sowie in Italien.

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Verschiedene Vulkangesteine lagern in den Sammlungsschränken in Goethes Weimarer Wohnhaus.
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Schubfach mit verschiedenen Amphibol- und Pyroxenkristallen.

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Seit 1785 betrieb Goethe botanische Studien, die in Italien wichtige Impulse erhielten. Auf seiner Reise erlebte er den Wechsel der Vegetation über verschiedene Klimazonen hinweg und konnte die vielfältige, ihm oft unbekannte Pflanzenwelt des südeuropäischen Lands studieren. So gewann er neue Ansätze für eine Lehre von der Metamorphose der Pflanzen.
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Im botanischen Garten in Palermo fand Goethe nicht nur Anschauungsmaterial, er suchte die Urpflanze. Schließlich erkannte er, dass diese nicht wirklich existiert, sondern vielmehr ein ideeller Grundbauplan sein müsse: Sie ist ein Modell, aus dem alle Blütenpflanzen und ihre vom Blatt als Grundorgan abgeleiteten Bestandteile konstruiert werden können.
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Palermo, Dienstag, den 17. April 1787.  

"Es ist ein wahres Unglück, wenn man von vielerlei Geistern verfolgt und versucht wird! Heute früh ging ich mit dem festen, ruhigen Vorsatz, meine dichterischen Träume fortzusetzen, nach dem öffentlichen Garten, allein eh' ich mich's versah, erhaschte mich ein anderes Gespenst, das mir schon diese Tage nachgeschlichen. Die vielen Pflanzen, die ich sonst nur in Kübeln und Töpfen, ja die größte Zeit des Jahres nur hinter Glasfenstern zu sehen gewohnt war, stehen hier froh und frisch unter freiem Himmel, und indem sie ihre Bestimmung vollkommen erfüllen, werden sie uns deutlicher.

Im Angesicht so vielerlei neuen und erneuten Gebildes fiel mir die alte Grille wieder ein, ob ich nicht unter dieser Schar die Urpflanze entdecken könnte. Eine solche muß es denn doch geben! Woran würde ich sonst erkennen, daß dieses oder jenes Gebilde eine Pflanze sei, wenn sie nicht alle nach einem Muster gebildet wären?“
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In der „Metamorphose der Pflanzen“ beschrieb Goethe den pflanzlichen Entwicklungszyklus als einen sechs Stufen durchlaufenden Gestaltwandel des Grundorgans Blatt:  
1. Keimung
2. Ausbildung der Stängelblätter
3. Bildung des Kelches
4. Bildung der Krone
5. Bildung der Geschlechtswerkzeuge
6. Ausbildung der Frucht

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Ständiges Gestalten und Umgestalten, unentwegtes Bilden und Umbilden: Goethe nutzte die Begriffe Typus und Metamorphose, um die Grundgesetze seiner morphologischen Vorstellungen zu erklären. In seinem Typus-Konzept fasste er die beinahe endlose Formenvielfalt der Natur sowie die ordnenden Gesetzmäßigkeiten zusammen.
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Am 24. April 1788 verließ Goethe Rom und machte sich auf die Rückreise. Zuvor hatte er noch Ausflüge in die vulkanische Umgebung der Albaner Berge unternommen. In einem seiner Reisenotizhefte hielt er Ideen zur Pflanzenmetamorphose fest, unter anderem eine der ersten Aufzeichnungen zu der Hypothese „Alles ist Blatt“.    

Am 18. Juni 1788 traf Goethe wieder in Weimar ein.
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Seine botanischen Studien führte er auch nach der Rückkehr fort. Diese Arbeiten mündeten im 1790 publizierten „Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären“.
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Bis zum 05. Januar 2020 präsentiert die Klassik Stiftung Weimar erstmalig Goethes umfassende naturwissenschaftliche Sammlung.

Zwischen den Diskursen der sich formierenden Naturwissenschaften um 1800 und heutigen Fragestellungen entwickelt sich ein spannungsreicher Themenparcours mit innovativen Medienstationen.

Mehr zur Ausstellung erfahren Sie hier.
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Kant bezeichnet in einer berühmten Fußnote der „Kritik der Urteilskraft“ die Archäologie der Natur, also die Rekonstruktion der Geschichte der Erde und der Lebewesen, als ein gewagtes "Abenteuer der Vernunft".

Goethe und Immanuel Kant haben sich nie kennengelernt. Kants „Kritiken“ waren aber für Goethe eine wichtige Lektüre. In seinen Exemplaren der „Kritik der reinen Vernunft“ und „Kritik der Urteilskraft“ finden sich Markierungen und Kommentare. 


"Alle Wege führen nach Rom" ist ein Gemeinschaftsprojekt des Arbeitskreises selbstständiger Kultur-Institute e.V. – AsKI, gefördert aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Der Beitrag „Abenteuer der Vernunft. Goethe und die Naturwissenschaften um 1800“ ist eine Produktion der Klassik Stiftung Weimar.

  • Konzept/Idee: Kai Fischer, Kristina Johannes
  • Redaktion: Kristina Johannes, Benjamin Grau
  • Text: Kristina Johannes in Zusammenarbeit mit Gisela Maul, Kristin Knebel und Thomas Schmuck
  • Video: Kumpels & Friends
  • Plakatgestaltung: Heine/Lenz/Zizka, Berlin
  • Fotoarbeiten: Alexander Burzik, © Klassik Stiftung Weimar
  • Sprecher: Jannek Petri
  • Sounds:  freesound.org

© Klassik Stiftung Weimar  

Literatur:
Manfred Wenzel (Hrsg.): Goethe-Handbuch Supplemente, Band 2: Naturwissenschaften, Stuttgart-Weimar 2012, J.B. Metzler
Kristin Knebel; Gisela Maul; Thomas Schmuck; Klassik Stiftung Weimar (Hrsg.): Abenteuer der Vernunft. Goethe und die Naturwissenschaften um 1800, Weimar 2019, Sandstein Verlag


Stiftung Weimarer Klassik
Burgplatz 4
99423 Weimar

Tel.: 03643-545-0
poststelle@klassik-stiftung.de
https://www.klassik-stiftung.de
 
Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute - AsKI e.V.
Prinz-Albert-Str. 34
53113 Bonn
 
Tel.: 0228-224859
info@wege-nach-rom.de
http://www.aski.org


Registergericht: Amtsgericht Bonn
Registernummer: 4840

Vertretungsberechtigter Vorstand:
Dr. Wolfgang Trautwein

Plattform der EU-Kommission zur Online-Streitbeilegung: https://ec.europa.eu/odr

Wir sind zur Teilnahme an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle weder verpflichtet noch bereit.
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